Die Möglichkeit einer Insel

  ¡Ayaayaayaayayaa, Puerto Rico!

Die Spring Break ist eine gute Gelegenheit, dem endlosen Winter in Illinois zu entkommen: Flucht in die Karibik!

Auf Puerto Rico ist es immer warm, und zudem ist das Klima tropisch, das Meer hat die unglaublichsten Blautöne und die Leute haben irgendwie  … keinen Stress. Obwohl der Freistaat Puerto Rico ein US-Außengebiet ist, und die Hauptstadt San Juan doch etwas amerikanisch wirkt mit ihren großen Bauten amerikanischer Hotelketten an der Lagune, stellte sich doch das Gefühl einer anderen, entspannten und fröhlichen Kultur ein.

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Bei einer Tour in den Regenwald suchten wir das Abenteuer: wir wanderten, kletterten über Steine, ziplineten über Baumkronen und durch Lianen hindurch, seilten uns an einem steilen Felsen neben einem Wasserfall ab, und wateten durch bauchnabelhohes Wasser.

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Wir aßen Mofongo, flan, Churrasco und vor allem plátanos- gebraten, frittiert, zerstampft oder als Rösti – die  wie Kartoffeln schmecken.

In einer Bar in der Altstadt von San Juan bekamen wir einen Tipp von einem einheimischen Hipster mit Rauschebart, Glatze und Karohemd für einen Trip auf eine nahe gelegene einsame Insel namens Icacos, und so fuhren wir tags darauf kurzerhand los, mit dem Namen des Ortes Las Croabas als einzigen Anhaltspunkt in unserem Navi, und völlig ahnungslos, was passieren würde, wenn wir dort einmal angekommen waren. Würden wir wirklich zur Insel gelangen? Wen sollten wir fragen?  Das sollte sich allerdings nicht als schwierig herausstellen. Nachdem unser Jeep den letzten Hügel erklommen und wir auf der anderen Seite unverhofft direkt aufs Meer zufuhren, sprach uns schon ein braun gebrannter Mann an: “Do you wanna go to Icacos?” Noch kurz ein paar Pastellitos als spätes Frühstück, ein Sixpack kühles Budweiser gekauft und im Rucksack verstaut, und schon saßen wir gemeinsam mit einer puertocanischen Familie bei Yunior im Fischerboot, jedoch nicht mit Kurs auf Icacos, sondern auf Palominito. Die Wellen waren ganz schön hoch, Gischt spritze uns ins Gesicht, und man musste sich doch recht gut festhalten, aber der Vater vergoss während der gesamten rund 30-minütigen keinen einzigen Tropfen seines Weißweins, den er in einem pinken Plastikbecher balancierte. Was wirklich faszinieren war, er legte seinen Becher auch auf der Insel kein einziges Mal, wirklich NIE, aus der Hand. Selbst im Meer schaute neben seinem Kopf mit der Baseballkappe noch der pinke Becher aus dem türkisblauen Wasser. Palominito ist eine klitzekleine Insel, die aus einem einzigen Strand mitsamt einer paar Büschen besteht, und ein beliebtes Anlegeziel für Yachten und Sportboote ist – anders kommt man ja auch nicht hin. Auf der Insel ist gerade Platz für vielleicht zwanzig Handtücher, in drei Minuten hat man das gesamte Eiland umrundet.

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Manchen ist Palominito vielleicht auch von der großen Leinwand bekannt. Falls Captain Sparrow hier eine Flasche Rum verbuddelt hat, wir haben sie jedenfalls nicht gefunden.

Auf dem Heimweg von Palominito (wieder am Festland) machten wir einen Abstecher zum “Pork Highway”, der Spanferkel-Straße sozusagen. Am Exit 32 am Highway von San Juan nach Caguas sind zahlreiche Lechoneras aufgefädelt, die nur lechon asao auf der Speisekarte haben – vorausgesetzt, man kommt nicht zu spät und es ist schon aufgegessen. Ist uns passiert – zum Glück gab’s in einer Lechonera aber dann doch noch etwas Spanferkel mit Bohnen und Platanen-Rösti, und zudem auch noch Entertainment in Form von Karaoke der örtlichen Motorradgang, die die spanische Version von Sinatra’s “My way”, A mi manera, ins Mikrofon schmetterten und stürmischen Applaus ernteten. So verbringen Puertoricaner am Land also den Sonntagabend.

Weiter ging’s nach Cabo Rojo, wo wir uns ein wunderschönes, geräumiges und geschmackvoll dekoriertes Apartment in einer Siedlung von Ferienwohnhäusern gemietet haben. Unweit unsrer Bleibe entdeckten wir einen Stand, wo man riesige grüne (aber reife!) Avocados, Limetten, Bananen und Ananas, gefüllt mit frischen Früchten und Fruchtsaft, kaufen konnte.

Wir machten auch einen Ausflug zur Kaffeeplantage Hacienda Pomarrosa, die auf gut 1000 Höhenmetern gelegen, und über eine sehr spektakuläre Straße, die sich in engen Mäandern durch dichtes Grün schlangelte, zu erreichen war. Dort empfing uns Kurt Legner, ein ausgewanderter Rheinländer, der seit 44 Jahren in Puerto Rico zuhause und seit 22 Jahren Betreiber einer Kaffeeplantage ist, mit frisch gebrühtem Kaffee aus eigenem Anbau und leckerem Bananenbrot, ebenfalls aus Bananen, die in der Hacienda in dicken Stauden von den Bäumen hängen. In einer Laube mitten im Grünen saßen wir mit sechs weiteren Besuchern aus New York und Minnesota um einen Holztisch, tranken Kaffee und lauschten gebannt Herrn Legners Erzählung, wie die Kaffeebohne von Äthiopien in die Karibik gelangte. Danach führte uns Sohnemann und Barista Sebastian durch die Plantage und die Arbeitsräume. Das Business mit der Bohne hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Der größte Kaffeeproduzent der Insel ist Coca-Cola, das die bestehenden Kaffee-Betriebe und Röstereien aufgekauft und aufgelöst, und stellt hauptsächlich billigen und schlechten Kaffee her, so Legner. Mitunter würden sogar Kichererbsen unter die Kaffeebohnen gemischt und mitgeröstet, was den Geschmack verfälscht, aber dem Kunden wegen der starken Röstung  nicht auffiele. Die wenigen verbliebenen Kaffee-Haciendas, wie Pomarrosa, setzen auf Qualitätskaffee und Nischenprodukte, die meist online an Privatkunden in aller Welt verkauft werden.

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Beim Leuchtturm am südwestlichsten Zipfel der Insel, an der Playa Sucia, sind wir für den Leuchtturmwärter Georgi eine willkommene Abwechslung während seiner Schicht. Für ihn müssen wir “Arnold Schwarzenegger” aussprechen, und er meint, so anders klinge das gar nicht. Darauf gibt’s dann für uns einen Schluck süßen Kaffee aus seiner Thermoskanne: “Me encantan los turistas”.

 

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Plaza Colón, Altstadt von San Juan

Plaza Colón, Altstadt von San Juan

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